... love your crooked neighbour with your crooked heart.
A bit of poetry by Auden.
I heard a programme on (German) radio yesterday morning. Quite unusually, the below English recital was broadcast.
The below translation was praised as a rare paragon of its trade.
Translating literature, especially poetry is incredibly difficult, a constant walk on an edge between failure and the impossible. It seems, Jandl has indeed done a good job, though the last line does strike me as awkward. I don't know what "der Fluß rann tief" means. I don't think you can say that meaningfully in German. It sounds like "to run deep" but it certainly does not mean the same in German, if it means anything.
That's the beauty of and the problem with lyrics, it toys with the promise of meaning.
ALS ICH EINES ABENDS AUSGING
Als ich eines Abends ausging,
durch die Bristolstraße schritt,
Da war die Menge am Gehsteig
Ein Weizenfeld vor dem Schnitt.
Ich hörte beim schäumenden Fluß,
Wo der Eisenbahnbogen sich schwang:
„Liebe hat kein Ende.“
Das war ein Verliebter, der sang.
„Ich liebe dich, Liebe, ich lieb dich,
Bis der Fluß den Berg überspringt,
Bis sich China und Afrika treffen
und der Fisch auf der Straße singt.
Ich lieb dich, bis vom Wäschestrick
Der trocknende Ozean weht
Und eine schreiende Gänseschar statt
Der sieben Sterne am Himmel steht.
Wie Hasen sollen die Jahre
Laufen. Mein Arm hält
Die Blume aller Zeiten
Und die erste Liebe der Welt.“
Von den Glockentürmen der Stadt
Aber scholl es und schrie:
„Laß nicht die Zeit dich trügen,
Du besiegst die Zeit nie.
In den Wühlstollen des Alptraums,
Wo Gerechtigkeit nackt sein muß,
Wartet die Zeit unter Schatten
Und hustet vor deinem Kuß.
In Kopfschmerz und in Sorgen
Wird das Leben im Nebel verstreut,
Die Zeit tut, was ihr einfällt,
Morgen oder heut.
In viele grüne Täler
Weht der schlimme Schnee;
Zeit bricht die verschlungenen Tänze
Und des Tauchers Sprung in die See.
O tauch deine Hände ins Wasser,
Tauch ein bis ans Handgelenk,
Starre, starre ins Becken
Und was du versäumt hast, denk.
Der Gletscher poltert im Kasten,
Im Bett die Wüste ächzt,
bis die Straße ins Land der Toten
Aus dem Sprung in der Teetasse wächst.
Wo die Bettler Banknoten verlottern
Und der Riese die Kinder nicht frißt
Und der Däumling ein schrecklicher Raufbold
Und Mariechen gefallen ist.
O schau, schau in den Spiegel,
Schau deinen Kummer an;
Dir auch ist Leben ein Segen,
Dir, der nicht segnen kann.
O steh, steh beim Fenster,
Jetzt kommt der Träne Schmerz;
Du sollst lieben den krummen Nachbar
Mit deinem krummen Herz.“
Es war spät, spät am Abend,
Keine Glocke rief;
Die Liebenden waren gegangen,
Und der Fluß rann tief.
Übertragen von Ernst Jandl
